Aktuelles

Interview mit Dr. Katja Horneffer

Sie haben sich der Meteorologie verschrieben. Angeblich, weil Sie die Gewitter in den Alpen ganz toll fanden? Was war der Grund für die Studienwahl?

Die Geschichte geht eigentlich anders: Ich habe mit etwa 12 oder 13 Jahren das Buch „Kanadischer Sommer“ gelesen.

In dem Buch hat ein Meteorologe Radiosondenaufstiege durchgeführt: Die Radiosonden hängen an Ballons. Ich habe mich gefragt, wie es wäre, professionell bunte Luftballons steigen zu lassen. Diese Idee fand ich so irre. Deshalb habe ich immer gesagt, wenn mich wer gefragt hat: Ich werde Meteorologin. Nach dem Abitur kam dann die Frage: Und nun? Mit  den Leistungskursen Französisch und Chemie und obwohl ich Physik nach der 10. Klasse abgewählt habe, habe ich mich für Meteorologie entschieden. Das ist Physik der Atmosphäre und daher war es hart bis zum Vordiplom.

Man findet im Netz als normaler Mensch wenig über Sie. Ist das gewollt oder eher zufällig so?

Wohl eher zufällig, es ist nicht extrem gewollt. Es ist gut, dass die Sache im Vordergrund steht, die Meteorologie, die Klimatologie und das Wetter an sich. Ich bin kein „Promi“ im eigentlichen Sinn.

Ich habe natürlich auch schon bei Quizshows wie der „Leuchte des Nordens“ mitgemacht oder auch mal ein Auftritt bei Terra X als Expertin gehabt. Dinge so „am Rande“ mache ich schon mit, aber in Klatschspalten muss ich nicht auftauchen.

 

Sie stehen oft vor der Kamera und besuchen so täglich Millionen Menschen quasi zuhause. Bekommen Sie – wie frühere Moderatoren - auch Post, die darauf schließen lässt, dass Sie "ein Teil der Familie" sind?

Innenarchitekturtipps musste ich noch nie geben. Es kommt heute wohl auch nicht mehr vor, weil die Menschen mittlerweile verstanden haben, dass wir nur senden und sie als Zuschauer eben nicht. Das war in den Anfangsjahren des Fernsehens sicher anders.

Langläufig gilt Petrus als der Wettergott. Uns „Kirchenmenschen“ wird immer gesagt „Sorgt ihr mal für gutes Wetter, ihr habt ja den Draht nach oben!“
Welche Rolle spielt Petrus oder „der liebe Gott ganz allgemein“ bei Ihrer täglichen Arbeit und in Ihrem Leben?

Kommen wir auf Petrus zurück: Es ist schon lustig, wenn Sie „beschuldigt“ werden wegen des direkten Drahtes zu Petrus. Dann kann ich das für uns nur wiederholen. Weil uns auch oft gesagt wird, wir „machten“ das Wetter, dabei sagen wir es nur voraus. Eigentlich wissen das die Menschen ja auch, aber dennoch wird immer wieder gesagt „Was habt ihr da für ein Wetter gemacht?“ Gott und Glaube spielen allerdings auch weder in der Meteorologie noch in meinem Leben eine größere Rolle.

Wie sieht für Sie dann ein gelungenes Ostern 2021 aus?

Dieses Osterfest ist für mich ein arbeitssames. Ich darf Karsamstag arbeiten und Ostermontag. Insofern ein gelungenes Osterfest.

Was heißt das, wenn Sie arbeiten müssen?

Vor allem DARF ich arbeiten und muss es nicht. Das ist an allen Tagen ähnlich – egal ob Ostern oder nicht. Derzeit - aufgrund der Corona-Pandemie - bereiten wir vieles zuhause am Rechner vor, auch die Wolkenvorschaufilme. So werden die Präsenzzeiten im Sender deutlich reduziert. Das passiert jetzt alles im Vorfeld, auch die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen bezüglich der Prognosen, die wir anhand der verschiedenen Modelle erstellen. Denn im Team besprechen wir unsere Einschätzungen zu den kommenden Wetterlagen z.B. bezüglich der zu erwartenden Temperaturen.

Jetzt bin ich erst gegen mittags im Sender, stelle dann die Programme zusammen, für heute19:00 Uhr habe ich 1:10 Minuten zur Verfügung, für 3sat 1:55 Minuten und fürs heute-Journal 1:25 Minuten. Die Wetterprogramme sind also verschieden lang und ich überlege mir immer die wichtigste Botschaft. Das ist vielleicht die Brücke zum Religiösen. Was will ich den Zuschauern für den kommenden Tag unbedingt sagen. Aktuell zum Beispiel der Sturm „Klaus“: Wie heftig wird der Sturm und der Regen tatsächlich? Wo sind Schäden zu erwarten und wo eher eben nicht. [Anmerkung: Das Interview fand am Vortag des Sturms „Klaus“ statt]

Wenn ich weiß wie die Programme aussehen sollen, dann gebe ich diese Listen dem Hintergrunddienst, der die Karten und deren Reihenfolge anlegt, anhand derer ich dann spreche.

Derzeit sind in unserem Team drei Meteorologen vor der Kamera und drei hinter der Kamera beteiligt.

Warum sind nur drei Kollegen vor der Kamera?

Das muss man mögen. Nicht jeder Meteorologe oder jede Meteorologin kann das und will das auch. Schließlich muss ein dickes Fell haben, wer sich der laufenden Begutachtung aussetzt, weil es zum Beispiel immer wieder Rückmeldungen zu Äußerlichkeiten gibt.

Die Kirche lebt in all den vielen Facetten von großem ehrenamtlichen Engagement. Gerade rund um die Kar- und Ostertage setzen sich viele Menschen dafür ein, dass Ostern wirklich ein freudiges Fest werden kann. Was heißt ehrenamtliches Engagement für Sie?

Ich bewundere ehrenamtliches Engagement, meins ist sehr klein. Ich bin von der Deutschen Muskelstiftung angesprochen worden, ob ich mich da engagieren möchte.

 

Mein Engagement ist da aber eher gering. Wenn es dort zum Beispiel um Kalender oder so etwas geht, stehe ich natürlich zur Verfügung. Außerdem bin ich in einem Mentoring-Programm aktiv, in dem ich mit weiblichen Studierenden in Kontakt bin, um sie in den naturwissenschaftlichen Fächern zu unterstützen. Ansonsten wäre mein Engagement ausbaufähig.

Mit Blick auf Ostern gefragt: Gründonnerstag haben wir gefeiert, dass Jesus das letzte Mal mit seinen Jüngern zu Abend gegessen hat. Was hätten Sie ihn gefragt, wenn Sie mit am Tisch gesessen hätten?

Auf der Hand liegt die Frage, warum ich die einzige Frau hier [Anm.: gemeint ist der Abendmahls-Saal] bin. Was mich interessiert hätte, wäre, inwieweit Jesus in der Kommunikation mit den Menschen um sich herum Tipps geben kann, die auch heute für uns noch wichtig und befolgenswert sind. Es ist wirklich eine schwierige Frage.

Karfreitag steht der Tod im Mittelpunkt. Der Tag ist sozusagen der symbolisierte Tiefpunkt des Lebens. Welche drei Schlagworte verbinden Sie mit dem Tod Jesu?

Jaaaaa... Kreuzigung und Auferstehung. Viel mehr aber auch nicht.

Wären Sie Jesus eigentlich nachgefolgt und hätten das Wetter Wetter sein lassen?

Da bin ich zu sehr Naturwissenschaftlerin und stelle alles immer in Frage. Wenn Menschen einer gewissen Idee oder Person folgen, bin ich immer erstmal skeptisch. Warum machen die das? Da bin ich extrem zurückhaltend.

Können Sie eigentlich noch unerkannt über die Straße gehen oder werden Sie beim Einkaufsbummel immer und immer wieder angesprochen?

Inzwischen ist es der Maskenpflicht zuzuschreiben, da erkennt Sie kaum jemand. Immer mal wieder werde ich aber angesprochen oder es wird getuschelt „...ist das nicht die...“. Aber das bekomme ich eher nicht mit. Es bewegt sich noch in einem Rahmen, den ich gut ertragen kann und ist im Grunde ja auch ein Kompliment. Denn die Rückmeldungen sind eigentlich immer positiv, schließlich wollen wir ja auch, dass die Menschen uns zuschauen.

Ich bewundere immer, dass Sie jede Region Deutschlands auf der Wetterkarte benennen können. Vom Emsland über die Lausitz oder andere Regionen. Waren Sie da überall schon einmal oder ist das einfach Können und Zeichen von Professionalität?

Dazu gibt es zweierlei. Das eine ist die Professionalität. Andersrum sagen aber auch Menschen, dass ich bestimmte Orte mehr erwähne, in denen ich beispielsweise war, oder zu denen ich eine Beziehung habe.

Der Spreewald kommt auch häufiger vor, um nicht immer Berlin sagen zu müssen. Es ist immer der Versuch neutral zu sein, aber es gibt sicherlich bestimmte Orte, die häufiger vorkommen, auch weil da das Wetter anders ist als in bestimmten anderen Regionen. Beispielsweise der Bodensee-Nebel. Meist hat es allerdings meteorologisch-geographische Gründe, welche Orte genannt werden.

Sie wurden live von Christian Sievers im Februar zur bevorstehenden Schnee-Situation befragt. Freut Sie das, solche Extremlagen direkt moderieren zu dürfen?

Freuen ist nicht das richtige Wort, immerhin besteht die Gefahr von ernsten Schäden im ganzen Land, in denen wir, oder in diesem speziellen Fall eben ich, passend zu warnen habe, damit es nicht zu Schäden an Leib und Leben kommt. Ich habe immer die Sorge, nicht genügend zu warnen oder die Falschen zu warnen. Das führt dann zum Prognose-Paradoxon: Wir sagen vorher, dass es wahnsinnig schlimm wird, dann werden die entsprechenden Vorkehrungen getroffen: Die Bahn stellt den Zugverkehr ein, Menschen meiden Reisen oder ändern ihre Pläne. Sturm und Schnee kommen, richten aber wenig Schaden an, weil die Menschen vorgewarnt waren und sich angemessen verhalten haben! Als Meteorologin freue ich mich dann: hah, alles richtig gemacht, niemand kam zu Schaden! Die Nachrichten-Redaktionen dagegen grummeln, weil sie keine spektakulären Bilder zu senden haben.

Gibt es eigentlich ein Wetterphänomen, das Sie besonders gern erklären oder etwas, das Sie langweilig finden?

Nee, eigentlich nicht. Es ist immer wichtig vor den Gefahren zu warnen, weil vielen Menschen zum Beispiel das Verhalten bei Gewitter nicht klar ist. Gewitterprophylaxe ist mir sehr wichtig und das erkläre ich äußerst gern. Langweilig ist nichts. Selbst einer novembergraue Nebellage kann ich was Schönes abgewinnen.

Welche drei Apps nutzen Sie regelmäßig?

Natürlich die Wetter-Warn App des DWD, natürlich die Corona-Warn-App, in der ich auch mein Kontakttagebuch führe, dabei pendle ich von zuhause in den Sender und zurück, sehe die Familie und sonst eigentlich kaum jemanden. Und natürlich die ZDF-heute-App, in der wir auch immer wieder Beiträge haben. Und um immer auf dem Laufenden zu sein.

Wenn Sie über die Wettertrends berichten, wonach werden da die Orte ausgewählt?

Ich orientiere mich an 6-7 Städten. Und wenn ich an einer Stadt den Wettertrend deutlich sehe, den ich in der Sendung zeigen will, dann nehme ich eben diese Stadt. Die Auswahl hängt von der Kernaussage des Wetters ab.

 

 

 

Oft ist das Schweigen die einzige Möglichkeit meine Gebete auszudrücken, aber Gott versteht alles.


Thérèse von Lisieux