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Diamantenes Ordensjubiläum Sr. Juliana

Am Sonntag, den 09. Mai durften wir in einem feierlichen Gottesdienst das Diamantene Ordensjubiläum von Sr. Juliana feiern! Zahlreiche WegbegleiterInnen waren gekommen, um ihr bei besten Wetter zu gratulieren. Viele Menschen hat sie in den Jahren auf die unterschiedlichste Art begleitet und ist ihnen immer mit einem offenen Ohr begegnet! Liebe Sr. Juliana, vielen Dank für deinen Dienst und Gottes Segen für dich!

Im Gottesdienst hat Georg Kaiser als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates eine Predigt gehalten, diese finden Sie hier:

Festpredigt anlässlich des Diamantenen Ordensjubiläums

von Sr. Juliana am 09. Mai 2021

Liebe Schwester Juliana, liebe Gemeinde,

heute feiern wir hier in St. Lambertus zwei wichtige Ereignisse. Das erste ist natürlich DAS alles überragende, nämlich das 60-jährige Ordensjubiläum unserer lieben Schwester Juliana.

Das zweite Ereignis ist, dass ich hier vor euch stehe und predigen darf (das aber nur zur Information). Diese große Ehre wurde mir durch die Hintertür zuteil. Pater Thampi hat mich sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Er fragte mich vor kurzem, ob ich im Namen des PGR und KV einige angemessene Worte zum Jubiläum von Schwester Juliana sage könne. Als PGR-Vorsitzender ist das natürlich meine Pflicht, der ich gerne nachkomme. Ich hatte mich darauf eingestellt, nach der Kommunionausteilung und vor dem Schlusssegen ans Ambo zu treten und in wohlgesetzten Worten der Jubilarin Dank zu sagen für ihre überragenden Dienste in der Kirchengemeinde. Stattdessen wurde ich von Pater Thampi verdonnert, die Predigt zu halten. Aber wer kann schon bei Pater Thampi „Nein“ sagen, wenn er einen mit seinen treuen braunen Augen anschaut?

Für mich ist diese Aufgabe natürlich absolutes Neuland. Seht mir bitte nach, wenn ich als Laie nicht die Worte finde, die ihr in einer Predigt erwartet.

Aber nun zu Ihnen, liebe Schwester Juliana. Zunächst gratuliere ich Ihnen im Namen des PGR und KV herzlich zu Ihrem Ordensjubiläum. Erwarten Sie bitte nun nicht, dass ich Sie in blumigen Worten mit Lob und Dank überschütte. Meistens wird so etwas in Jubiläumsreden erwartet. Dann schaut der Jubilar, die Jubilarin meinst beschämt zur Seite und wird verlegen ob der vielen Lobeshymnen.

Dank und Anerkennung haben Sie mit Sicherheit von vielen anderen Menschen und Institutionen erhalten. Dann kann ich nur sagen: „Wir schließen uns dem gesagten an“.

Eigentlich könnte ich nun meine Predigt beenden. Es wurde ja alles Wichtige erwähnt. Aber weit gefehlt. Einige Anmerkungen möchte ich doch noch loswerden. Schließlich habe ich nicht oft die Möglichkeit hier zu predigen.

„Mit Lebensbeginn hat das Kind die Würde des Menschseins in seiner Einzigartigkeit von seinem Schöpfer zugesprochen bekommen

Diesen Satz habe ich der Festschrift zum 50. Bestehen des Kindergartens Ostercappeln entnommen, den Sie, liebe Schwester Juliana, dort aufgeschrieben haben.

Ich denke, aus diesen paar Worten spricht alles, was Ihnen im Leben wichtig ist. Sie sind und waren stets für andere Menschen da. Früher als Kindergartenleiterin und später als gute Seele im Krankenhaus mit diversen Aufgaben, über die Sie die Nähe zu Menschen gesucht haben.

Dass Ihnen der Umgang mit Kindern auf den Leib geschrieben war, wurde mir vor einiger Zeit noch deutlich. Wir trafen uns während einer kirchlichen Jubiläumsveranstaltung und haben einige nette Worte gewechselt. Sie erkundigten sich nach unseren Kindern, die auch Ihren Kindergarten besucht hatten.  

Sie fragten, was Christine, Stefanie und Florian denn machen. Ich war sehr erstaunt über Ihr geniales Namensgedächtnis. Schließlich waren unsere Kinder vor ca. 30 Jahren unter Ihren Fittichen.

Nicht nur Ihr Namensgedächtnis ist das Erstaunliche. Es zeigt doch, wie sehr Sie den Menschen zugewandt sind. Für Sie sind sie keine Nummern, die man nach getaner Arbeit abheftet und später vergisst. Nein, Ihre Schutzbefohlenen leben in Ihnen weiter. Und das spüren Menschen und wissen Ihre Nähe zu schätzen.

Menschen wie Sie, die aus dem festen christlichen Glauben heraus ihr Leben gestalten und für andere stets da sind, werden häufig nicht recht wahrgenommen. Aber gerade sie sind es, die den schwerfälligen Dampfer Kirche am Schwimmen halten. Wir leben nicht nur wegen Corona in schwierigen Zeiten. Unsere Kirche befindet sich um Umbruch und hat allerlei Krisen zu bestehen. Viele sagen unserer Gemeinschaft schon voraus, dass es unser System Kirche, wie wir es kennen, in ferner Zukunft so nicht mehr geben wird. Das halte ich jedoch für ein Gerücht, denn so lange es aufrechte Christen und Christinnen gibt, wie Sie es sind, liebe Schwester Juliana, wird unsere heilige Kirche weiterbestehen. Sicher wird sich einiges ändern, aber Glaube, Liebe, Hoffnung tragen uns und der Geist Gottes wird uns schon in die richtige Richtung leiten.

Wer sich schon einmal mit Kirchengeschichte befasst hat, wird festgestellt haben, dass das Christentum seit Bestehen unzählige Krisen überwunden hat. Im Namen Gottes sind früher und teilweise heute noch schlimme Verbrechen geschehen. Das hält jedoch Menschen wie Sie, liebe Schwester Juliana, nicht davon ab, den Glauben zu leben und zur kirchlichen Gemeinschaft zu halten. Wir alle brauchen Vorbilder wie Sie, damit wir das kostbare Gut, nämlich unsere Kirche Gottes bewahren, und uns eine Zukunft schaffen, in der es lebenswert für alle von Gott geschaffenen Wesen bleibt.

Wir alle wünschen Ihnen, dass das, was Sie unzähligen Menschen mit Ihrer liebevollen Zuneigung gegeben haben, auch einmal wenn Sie Hilfe benötigen, zurückbekommen.

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Anekdote loswerden, die Sie, liebe Schwester Juliana, mir hoffentlich nicht übelnehmen.

Vor einiger Zeit kam die forsche Autofahrerin von der Bremer Straße aus auf den Kirchplatz gefahren und musste zwangläufig vor dem Geschäft Pusteblume abrupt stoppen, weil sich dort ein großer Lkw befand, der Ware auslud. Schwester Juliana, wahrscheinlich in sehr großer Eile, weil sie wie so oft im Namen des Herrn unterwegs war, fing an zu hupen und man konnte an ihrer Gestik im Auto erkennen, dass sie nicht die feinsten Worte für den Lkw-Fahrer übrig hatte, der ihr den Weg versperrte. Gott sei Dank fuhr der Lkw dann schnell weg und Schwester Juliana fand zu ihrer gewohnten Gelassenheit zurück. Ich hätte nicht gedacht, dass eine so sanftmütige Frau auch mal ausrasten kann. Doch das macht sie umso menschlicher und sympatisch. Nun bin ich mit der Predigt am Ende angelangt und gebe das Ruder wieder zurück an Pater Thampie.  

Nun möchte ich gemeinsam mit Stefanie Kanitz als Vertreterin des Kirchenvorstandes Ihnen liebe Schwester Juliana ein kleines Präsent überreichen.

Georg Kaiser, Vorsitzender Pfarrgemeinderat

 

Interview mit Sr. Juliana

Seit 60 Jahren ist Sr. Juliana Ordensschwester der Thuiner Franziskanerinnen. Über 20 Jahre davon lebt sie nun schon in Ostercappeln. Seit 1989 hat sie den Lambertuskindergarten geleitet, bis sie 2001 die Leitung an Gabriele Künnemann übergeben hat. Die passionierte Erzieherin hat an vielen Stellen Gutes für Kinder und Familien getan und nach ihrer Erziehertätigkeit sich weiterhin in unserer Pfarreiengemeinschaft für die älteren und kranken Gemeindemitglieder eingesetzt. Wir haben Sr. Juliana im April zum Interview getroffen: 

Vielen Menschen sind Sie als „die, die sich um die Senioren und die Kranken kümmert“ bekannt. Wie kam es zu dieser Aufgabe?
Nachdem ich bis 2001 den Kindergarten geleitet habe, wollte ich mich gern weiterhin um Menschen kümmern. Da das Feld der Senioren-
Arbeit seinerzeit eher brach lag, hatte der damalige Pastor Roland Seider die Idee, dass ich mich um die älteren und kranken Gemeindemitglieder kümmere, dankend aufgegriffen. Da ich viele damals schon als Großeltern aus dem Kindergarten kannte, waren Kontakte ja bereits da.  
 
Und wenn Sie auf die letzten 60 Jahre zurückblicken: Was war eine besonders große Herausforderung für Sie?
Es gab in der Zeit viel Auf und Ab in der Kirche und im Orden. Mit den Versetzungen gab es immer neue Herausforderungen. Besonders der Weggang aus Sutthausen 1980 fiel mir sehr schwer. In der folgenden Zeit habe ich dann viel fürs Leben gelernt.  
 
Was würden Sie an der Kirche gern verändern und was dürfte nicht verändert werden aus Ihrer Sicht?
Ich vermisse vor allem die stille Anbetung und eine gewisse Tiefe. Das würde ich gern verändern, dass es mehr Möglichkeiten zur stillen Anbetung gibt. Auch müsste deutlicher werden, wie sehr das Alte Testament und das Neue Testament zusammenhängen. Und mir fehlt manchmal insgesamt die Freunde über den Glauben und am Glauben.

Worüber können Sie herzlich lachen?
Mir haben immer wieder die Kinder ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Wenn sie zum Beispiel unverhofft reagiert haben oder Dinge sagen wie „Sr. Juliana, du kannst so gut glauben!“.
 
Wen würden Sie gerne treffen?
Ich würde mich gerne mit Menschen treffen, die mich begleitet haben.
 
Welcher Heilige - außer Jesus - ist ein Vorbild für Sie?
Mich faszinieren viele Heilige. Ganz besonders wichtig sind für mich Maria und meine Namenspatronin Juliana. Aber auch Franziskus begleitet mich schon seit Kinder- und Jugendtagen. Darüber hinaus haben Papst Johannes Paul II. und Edith Stein aber auch der heilige Josef eine große Bedeutung für mich und der heilige Don Bosco als Vorbild für die Erzieher.
 
Urlaub ist für mich...
Ein Aufenthalt in Sutthausen. Da bin ich gern, denn mit dem Ort verbinde ich viele schöne Erlebnisse und der große Park gefällt mir sehr. Da kann ich mich gut erholen und entspannen.  
 
Schwer fällt mir...
... damit umzugehen, wenn ich nicht verstanden werde, auch wenn ich es gegenüber den Menschen nur gut meine. Ich habe aber gelernt – ja lernen müssen, die Menschen anzunehmen wie sie sind. Und vielleicht habe ich manche Dinge zu lange geschluckt. Aber manche Fehler zeigen sich ja erst hinterher.
 
Und was verbinden Sie mit Ostercappeln?
Mit Ostercappeln verbinde ich viele tolle Begegnungen und Menschen, die über die Jahre zu guten Freunden geworden sind. Und ich fühle mich hier auch als Teil der Gemeinde und bin froh und dankbar, dass ich hier so herzlich aufgenommen wurde.

 

Oft ist das Schweigen die einzige Möglichkeit meine Gebete auszudrücken, aber Gott versteht alles.


Thérèse von Lisieux